die Hindenburglinie 2014—2018

Auf der Suche nach dem »Genius Loci« und dem selbstreinigenden Vermögen von Mensch und Natur.

in Hinblick auf das Gedenken des Ersten Weltkriegs von 1914—1918 haben der in Brabant lebende Fotograf L.J.A.D. Creyghton und der in Brüssel beheimatete Schriftsteller, Dichter und Historiker Serge R. van Duijnhoven den Plan gefasst, ein besonderes Projekt zu konzipieren. Es besteht aus von Van Duijnhoven aufgezeichneten Geschichten und Gedichten und durch Creyghton fotografierte Landschaften, wobei sie der rund tausend Kilometer langen Frontlinie folgen, die vom belgischen Nieuwpoort und Ypern über Verdun in Frankreich, in Richtung Basel und weiter entlang der in Tagebüchern von vier Veteranen des Ersten Weltkriegs beschriebenen Orte verläuft.

Ausgangspunkt für diese Suche sind die berührenden und persönlichen Aufzeichnungen und Tagebucheinträge von Odon van Pevenaege, Louis Barthas, John Jackson und Carl Heller; eines belgischen, eines französischen, eines englischen und eines deutschen Soldaten. Vier Männer, die im Schützengraben von 1914—1918 für Ehre, Volk und Vaterland kämpften, aber trotzdem die (Mit)Menschlichkeit nicht aus den Augen verloren.
So wie Louis Barthas (Frankreich/1879—1952) in einem seiner Kriegstagebücher schreibt: “Gemeinsames Leid schmiedet die Herzen zusammen und lässt den Hass verschwinden. Zwischen einander gleichgültigen Menschen oder selbst Feinden entsteht Sympathie. Hätten wir doch nur dieselbe Sprache gesprochen!”

Im Sommer 2011 erschien die Sammlung “Wat ik zie kan ik niet zijn, een dichter op zoek naar de bronnen van Het Groene Woud” (‘Was ich sehe, kann ich nicht sein, ein Dichter auf der Suche nach den Quellen von Het Groene Woud’) von Serge R. van Duijnhoven mit Fotos von L.J.A.D. Creyghton. Sie beinhaltet maßgeschneiderte Texte, Poesie und Prosa und dazu passende Fotografien. Diese Sammlung ist im Bezug auf den Inhalt repräsentativ für das geplante Buchprojekt, welches sie nun rund um die Hindenburglinie 1914—1918 anfertigen wollen.

Der Autor und der Fotograf besuchen viele der in den Tagebüchern beschriebenen Orte, nehmen mit Füllfederhalter und Aufnahmegerät Notizen, illustrieren und fotografieren und kommen letztendlich zu einer Auswahl von circa 50 Fotos—Panorama-Aufnahmen der Landschaften—sowie ebenso vielen Texten, die sowohl Realität als auch Fiktion sowie Gegenwart und Vergangenheit repräsentieren sollen.

Geplant ist, den gesamten Text ins Deutsche, Französische und Englische zu übersetzen, sodass schlussendlich eine viersprachige Edition vorliegt, die einem breiten Publikum zur Verfügung gestellt wird.

 

Das Ziel: das Zugänglichmachen von

  1. Eine für dieses Projekt erstellte Website
  2. Publikation eines Buchs mit den ca. fünfzig Landschaften und Geschichten darin, wobei Gegenwart und Vergangenheit verschmelzen und  der Maßstab der Menschlichkeit, das Mitgefühl und die Verbrüderung die Ausgangspunkte sind.
  3. Wanderausstellung durch BE, NL, FR, UK, DE
  4. Publikation E-Book
  5. Bildungsprogramm: Publikation 4-sprachiger Unterrichtseinheiten für Mittelschüler mit Lesungen/Workshops
  6. Literarische-Musikaler Zusammenkünfte in Zusammenarbeit mit Gruppe Dichters Dansen Niet (Dichter Tanzen Niemals)

Bei ausreichender Finanzierung bildet diese nicht nur die Basis für eine Wanderausstellung und ein Bildungsprogramm für Schulen, sondern es erscheint auch ein inhaltliches und visuelles SUPER-Buch.

Das bekannte De Pont Museum (NL) hat sich mittlerweile dem Projekt angeschlossen und wirkt als Partner bei der Ausstellung und der Buchpräsentation mit. Diese sind für 9. april 2016 im ‘Project Zaal’ des Museums geplant.

Das Buch sollte, bei ausreichender Finanzierung, prinzipiell kostenfrei für Bibliotheken in den Niederlanden, Belgien, Deutschland, Großbritannien und Frankreich zur Verfügung gestellt werden. Indem wir das Material als E-Book verwenden, z.B. für iPads, könnte es durch Bibliotheken über unsere Website angesehen und heruntergeladen werden, sodass die Geschichte von Verbrüderung und Mitgefühl, für jeden der darüber gerne verfügen möchte, zugänglich gemacht wird.

United we stand! Dies ist ein ambitionierter Plan, bei dem wir jede moralische und finanzielle Unterstützung verschiedener Parteien gebrauchen können, um ihn zu einem großen Erfolg zu machen.

 

 

 

Battlefields_Ieper_XL_1829pix
Ieper / Ypern, Belgien (C-print-dibond-perspex, 90 x 200cm )

 

Für das geplante eindrucksvolle und ergänzende BuchHätten wir doch nur dieselbe Sprache gesprochen!’ übernimmt der Autor/Dichter/Historiker Serge R. van Duijnhoven den literarischen Part. Der Autor stattet die Kriegslandschaft, welche auf stille Weise in den fotografischen Arbeiten des Landschaftsfotografen L.J.A.D. Creyghton vorbeizieht, mit Klang und Erzählung aus. Bild und Text formen auf überraschende Art eine Einheit, was auch in der raffinierten grafischen Gestaltung des Buchs zum Ausdruck kommt. Genau so wie bei der früher erschienenen gemeinsamen Ausgabe von “Wat ik zie kan ik niet zijn” (Pels&Kemper, ‘s-Hertogenbosch 2011), versuchen der Fotograf und der Schriftsteller auch in dieser originellen Arbeit, zahlreichen genius loci (Personen, Faktoren, Umständen), die entlang der rund 1000 Kilometer langen Wanderroute im Vorübergehen aus den ehemaligen Front- und Grenzlandschaften auftauchen, eine Stimme zu verleihen.

Es geht darum, Augen und Ohren offen zu halten. Wacker losziehen und danach versuchen, mit Stift und Papier in der Hand und der klassischen Leica-Kamera auf dem leichtgewichtigen Carbon Stativ, die verwischenden Konturen der Vergangenheit dennoch so deutlich wie möglich festzuhalten. Es gilt, die Echos des Kriegsgefühls aufzufangen, die Stimmen der Gefallenen, die physischen und mystischen Spuren an die Oberfläche zu bringen, die in oder unter der einst so auf das Geringste reduzierten und verbrannten Landschaft zurückgeblieben sind. In diesem Buch wird der Große Krieg auf dem Kontinent Kilometer für Kilometer, Geschichte für Geschichte, Menschenleben für Menschenleben, auf sinnliche Weise wieder zum Leben erweckt. Die Geschichte wird erneut fühlbar, anschaulich und damit auch für jüngere Generationen verständlich gemacht.

Die Westfront—Hindenburglinie*, der für dieses Buch von Westhoek in Belgien vorbei an Ypern bis tief nach Frankreich hinein, in Richtung Basel, gefolgt wird, muss als ein epischer Jagd- und Wanderpfad entlang des mäandernden Flussbettes verschiedener Landesprachen, Volkskulturen und sozialen und gesellschaftlichen Differenzen, die zwischen 1914 und 1918 auf katastrophale Weise aufeinander stießen, verstanden werden.


Hindenburg_line

 

* Die Hindenburglinie bestand aus fünf operativen Zonen (Stellungen) mit Namen aus der germanischen Mythologie. Das waren, von Norden nach Süden: Wotan, Siegfried, Alberich, Brunhilde und Kriemhilde. Die Stellungen bestanden aus zahllosen Kasematten (Bunker mit Maschinengewehren), großen Stacheldrahtrollen, kilometerlangen Tunneln, unzähligen Laufgräben und Kommandoposten.

 

Die Strecke von rund 1000 Kilometern, hundert Jahren, tausenden Geschichten und Millionen Menschenleben führt uns ins Herz der Materie. Zu einem Claustrum in der ZEIT, wo Gegenwart und Vergangenheit sich auf die eine oder andere Weise scheinbar miteinander vereinen können. Das Gejammer von zahlreichen zu den Waffen gerufenen Individuen, das Seufzen von Männern und Frauen im Krankentrakt, die heftigen Geschichten der vielen Schmuggler, die mit ihrer Schmuggelware die Front und den Stacheldraht zwischen den beiden Parteien zu überqueren versuchten, die zynischen Zeugnisse der leichten Mädchen die in Tag– und Nachtschichten in den Dörfern hinter der Front den Soldaten wieder ein wenig Leben einhauchten… Hier und da selbst der Klaggesang eines verbrannten Hügels, der im Lauf des Kriegs jegliche Begrünung und Pflanzen, seine Flora und Fauna hat sterben sehen. Um Platz für die unendlich rauere Version des Lebens zu machen, das gewohnt war, seine Höhlen und unterirdischen Gänge in stiller Arbeit zu errichten; die menschlichen Insektenarmeen des Todes, die die Natur auf brutale Weise umpflügten, abtrugen, in Fetzen rissen. In hätten wir doch nur dieselbe sprache gesprochen! kommen all diese verschiedenen Facetten des Kriegs zur Sprache in markanten Miniaturen, dialektischer Lautpoesie und malerischen Szenen. Um sich allmählich nach einem langen Weg von vielfältigen Unterschieden und einer Myriade an Farbtönen – doch wieder zu einer Einheit zusammen zu finden. Eine Panorama-Szene. Ein Polyptychon mit Teilen, die zusammen wieder zu einem Ganzen zusammengeführt werden können

Der Konflikt, der mit dem Knall aus einer Pistole begann, auf einer Brücke in Sarajevo, und der vier Jahre später zu einem Titanenkampf zwischen den Nationalstaaten mit unmenschlicher, ja olympischer Bösartigkeit angewachsen war. Was als ein Wirbel im Luftraum begann, der hundert Meter weiter kaum noch zu hören war, entartete in einen Orkan, der hundert Jahre später noch immer ein Summen in unseren Ohren hinterlässt und einen blinden Fleck in unseren Augen kreiert. Verwirrung besteht auch über so viel Vernichtungsdrang, der all die Millionen und Abermillionen Europäer vollständig in seinen Bann zog. So viel angestauter Hass, so viel Mutwilligkeit, Missverständnisse und Unvermögen. Ein Entsetzen, das daraus folgte, dass sogar die sonst so stille Landschaft ein Jahrhundert später noch seufzt: “Hätten wir doch nur, hätten wir doch nur…hätten wir doch nur dieselbe Sprache gesprochen.”

 

Pädagogische Ausarbeitung des Projekts:

Der Autor und der Fotograf haben die Ambition, für (Hoch)Schulen, Bibliotheken und Organisationen in den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Deutschland und Großbritannien in den Jahren 2016/2017 eine Reihe von Lesungen zu organisieren, wobei das Buch als Basismaterial für edukative Zwecke dienen soll. Das Publikum wird dabei angespornt, sich mittels textlicher oder visueller Beiträge, die vor Ort anhand eines verfügbaren Reservoirs an Quellenmaterial, das für diese Gelegenheiten mitgenommen wird, entstehen können, aktiv in die Lesung einzubringen. Das In Flanders Fields Museum in Ypern hat über seinen Direktor Jan de Wilde offiziell zugesagt, an der Fotoausstellung, dem literarischen Buch und den daran gebundenen Bildungsmöglichkeiten in größtmöglichem Ausmaß mitzuarbeiten. Dies beginnt mit der feierlichen Präsentation und Überreichung des ersten gedruckten Exemplars und der Eröffnung der Ausstellung am 22. Januar 2016 im ‘Koninklijke Zaal’ des Museums.

Das Buch ‘Hätten wir doch nur dieselbe Sprache gesprochen!’ fungiert als ein literarischer Reiseführer und als fotografische Routenkarte. Text und Bild führen den Leser von heute, auf anspruchsvolle Weise zurück zu den halluzinativen Hochzeiten der Nationalstaaten, die in Allianzen untereinander und mit einem beängstigenden Todestrieb ihre Schicksalsbestimmung in den Laufgräben und auf den Schlachtfeldern zwischen Ypern und Verdun ausfochten.

Creyghton und Van Duijnhoven liefern eine Arbeit, die besinnlich die trotz allem genesende Landschaft von heute mit den authentischen und schrillen Stimmen von Menschen der Vergangenheit sprechen lässt. Die breitgefächerte Palette an Panorama—Landschaftsfotos mit Creyghtons charakteristischem Stil und Atmosphäre sowie die packenden Lebensgeschichten, die durch Van Duijnhoven sowohl in Prosa— als auch Poesieform gegossen werden, liefern—da Der Große Krieg sein erstes hundertjähriges Jubiläum erlebt—einen eigensinnigen Beitrag zu dieser traurigen, aber notwendigen Jahrhundertfeier. Zusammengehalten durch einen Rahmen von zahlreichen übergreifenden historischen Betrachtungen, erhält dieses Buch auch einen Bildungswert, wodurch es sich als Unterrichtsmaterial für Schüler der höheren Klassen eignet, die damit intensiv und anschaulich die Vergangenheit kennenlernen können.

Das Buch soll als ein sinnliches Panorama aufgefasst werden, durch welches der Leser an der Hand der Macher, hindurch spazieren kann. Der Lärm des Großen Krieges und der Widerhall der kleinmenschlichen Emotionen, die eine Folge des sich endlos fortschleppenden Kampfes in und rund um die Laufgräben sind, werden auf diesen Seiten hör- und fühlbar. Die menschliche Tragödie, die sich auf beiden Seiten von Sprachgrenzen und Frontlinie in der fragmentierten europäischen Landschaft abzeichnete, entfaltet sich zwischen den Zeilen und den Landschaftsportraits Stück für Stück aufs Neue.

 

Die Geschichte wird hörbar, fühlbar, vorstellbar und vielleicht etwas verständlicher gemacht. Das sind die Prämisse sowie das Ziel des Buchs.

 


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